Grüne: Nein zum geplanten Main Center  

Ausbau des derzeitigen Standorts im Ortskern ist allemal die bessere Lösung

 

 

 

 

 

Der aktuelle Flächenverbrauch in Bayern beträgt fast elf Hektar pro Tag. Das entspricht in etwa 17 Fußballfeldern. Wir Grünen wollen diesen Raubbau an natürlichen Flächen beenden. Mit unserer Forderung nach einer Höchstgrenze von maximal fünf Hektar pro Tag wäre ein erster Schritt getan. Das gelingt aber nur, wenn Projekte fraglicher Sinnhaftigkeit nicht realisiert werden.

Für uns, den Ortsverband der Grünen aus Bergrheinfeld, ist das geplante Main Center in Grafenrheinfeld ein solches Projekt. Braucht es ein solches Groß-Vorhaben tatsächlich? Wir meinen Nein und regen an, vor weiteren Planungen den Standort des derzeitigen Einkaufsmarktes in Grafenrheinfeld ernsthaft zu prüfen. Platz für eine Erweiterung und noch dazu im dadurch gestärkten Ortskern wäre allemal.

Gegen das Main Center spricht fast alles. Pro-Argumente sind uns keine eingefallen. Vornweg natürlich die Flächenversiegelung für ein Gewerbegebiet, das direkt am Main völlig fehl am Platz ist. Fünf Hektar Fläche für die drei geplante Gebäude (Edeka Vollsortimenter, Getränkemarkt, Drogeriemarkt) mit mutmaßlich jeweils 1200 Quadratmetern und für zirka 140 Stellplätze würden zubetoniert.

Der heute durch Hecken und Bäume – und Zuhause einer großen Anzahl von Vögeln und Kleintieren – geprägte Ortseingang würde massiv verändert, das grüne Eingangstor verschwände. Wollen die Bürger von Grafenrheinfeld das? Wir glauben nicht.

Außerdem gibt es mehr Verkehr und Lärm, auch wegen der Magnetwirkung für Umlandbewohner. Vor allem den Anwohnern links wie rechts des Mains geht einiges an Lebensqualität verloren. Und: Die im bisherigen Flächennutzungsplan denkbare Alternative einer beispielsweise ökologischen Wohnbebauung entfiele. Und das in Zeiten des Klimawandels.

Wir meinen, dass die derzeitige innerörtliche (!) Nahversorgung Grafenrheinfelds durch Edeka mit Metzgerei, Bäckerfiliale und Getränkemarkt sowie Norma ausreichend ist. Auch was das Parkangebot betrifft. Alles ist zentral gelegen, fußläufig auch für ältere Bürger und Bürgerinnen gut erreichbar. Auch die altengerechte Wohnanlage befindet sich in der Ortsmitte. Wir fordern deshalb, den bisherigen Standort nicht aufzugeben und sich ernsthaft mit einer Erweiterung dort zu beschäftigen.

Dabei muss auch an die Situation in Bergrheinfeld mit einem Edeka-Vollsortimenter und Lidl-Markt gedacht werden. Beide Märkte werden heute auch von vielen Grafenrheinfeldern genutzt. Wenn der Main Center am Main kommt, werden dort umgekehrt Bergrheinfelder einkaufen mit der denkbaren Folge, dass die heutigen Märkte in den Ortskernen von Bergrheinfeld und in Grafenrheinfeld schließen müssen oder besser: von Edeka dicht gemacht werden.

Als warnendes Beispiel steht der Lidl-Markt im Schweinfurter Stadtteil Oberndorf, der wegen neuer größerer Märkte in der Nähe schließen musste. In Oberndorf gibt es sehr zum Leidwesen der Stadtteilbürger deshalb seit Jahren keinen Nahversorger mehr.

Unser Appell deshalb an alle verantwortlichen Gemeindepolitiker: Sagen Sie Nein zum Großvorhaben Main Center. Es zerstört Natur und wird lange Zeit Spuren hinterlassen. Zudem hat es bisher an einer offenen Kommunikation und Transparenz gemangelt. Warum?

Noch im Herbst 2019 wurde eine derartige Planung nach uns vorliegenden Informationen in einer gemeindlichen Veranstaltung zum Thema „Sand- und Kiesabbau“ vom amtierenden Bürgermeister verneint.  Auch der Gemeinderat von Bergrheinfeld hat dem geplanten Projekt eine Absage erteilt, indem er mit Beschluss vom 10.März den Bedarf für einen Drogeriemarkt für beide Gemeinden abschlägig beurteilte.

Viele weitere Fragen stellen sich, beispielsweise zur praktikablen Erreichbarkeit des Main Centers durch den Stadtbus und zu den Themen Hochwasser, Verkehr beim Bergrheinfelder Kindergarten an der Mainstraße sowie Polder-Auswirkungen für Bergrheinfeld.

Das alles sind keine guten Voraussetzungen für ein gedeihliches Miteinander der beiden Gemeinden. Wir Grünen wünschen uns deshalb die Förderung einer sinnvollen Innenentwicklung, also die Stärkung des Ortskerns, statt eines nach unserer Meinung unnötigen weiteren Einkaufscenters auf der grünen Wiese. Noch dazu an einem solch exponierten Standort. Die Versorgungslage in beiden Ortskernen wird sich am Ende verschlechtern, deshalb Nein zum Main Center.

Paul Knoblach, Sprecher des Ortsverbands Bergrheinfeld

 

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